Leeuwarden, Hauptstadt von Friesland

 

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Leeuwarden (fries. Ljouwert) (Provinzhauptstadt 90.000 Einwohner)
Die sternförmigen Grachten begrenzen eine belebte Metropole, die sich einen Hauch Beschaulichkeit hat bewahren können. Der historisch gewachsene Stadtkern, der einige architektonisch reizvolle Bauten birgt, war einst der Sitz des mächtigen friesischen Statthalters. Die Stadt ist kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des nordwestlichen Zipfels der Niederlande. Die alten Hafenanlagen verschafften Leeuwarden im 15. Jahrhundert überregionale Bedeutung, doch führte die zunehmende Versandung der wichtigen Verbindung zum offenen Meer zum baldigen Niedergang des einstigen Glanzes.
Das Stadtbild wird durch ein sternförmig angelegtes Kanalsystem geprägt, das das eigentliche Herz Leeuwardens von den moderneren und nüchternen Außenbezirken abgrenzt. Sehenswert sind in erster Linie zwei bedeutende Museen: das Fries Museum mit seiner landesweit einzigartigen Sammlung friesischen Kulturguts und das Gemeentelijk Museum mit seinen Keramiken und wertvollem Porzellan.
Am westlichen Zipfel der Innenstadt fällt der windschiefe Oldehove-Toren ins Auge – ein Kuriosum besonderer Art, das den Betrachter unweigerlich an seinem Wahrnehmungsvermögen zweifeln lässt. Aber keine Sorge, die eigene Optik stimmt. Der Turm ist tatsächlich stark geneigt – Pisa in Friesland.

Leeuwarden

Ein Teil des Leeuwardener Stadtgrabens Over de Kelders besitzt ähnlich wie die Oudegracht in Utrecht doppelstöckige Kaianlagen. Auf Höhe der Gracht befinden sich reizvoll in die Kellergewölbe eingelassene kleine Läden.
Auf der Korfmakerspijp, einer breiten Brücke über den Stadtgraben, setzte die Stadt der Nackttänzerin Mata Hari 1976 ein Denkmal. Die kleine Bronzestatue, die auf den ersten Blick im geschäftigen Treiben kaum auffällt, deutet mit ausgestrecktem Arm auf deren Geburtshaus. Als das Denkmal zum hundertsten Geburtstag der Tänzerin enthüllt wurde, gab es nicht nur Zustimmung. "Warum ehren wir eine Hure?", lautete die viel gestellte Frage. Die Aufregung hat sich lange gelegt, der Mythos lebt weiter.

 


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Die Stadt ist darüber hinaus der Startplatz des wohl weltweit ungewöhnlichsten Schlittschuhmarathons. Die Elfstedentocht führt in kalten Wintern auf 200 km Gesamtlänge durch die elf friesischen Städte Leeuwarden, Dokkum, Franeker, Harlingen, Bolsward, Workum, Hindeloopen, Stavoren, Sloten, Ijlst und Sneek. An den zugefrorenen Grachten schnallen sich Scharen eingemummter Menschen ihre Schlittschuhe an die Füße. Der letzte Wettbewerb fand 1997 statt.
Lange Jahre lebte Pieter Stuyvesant, dessen Name dank einer renommierten Zigarettenmarke auch in der Gegenwart ein Begriff geblieben ist, in Leeuwarden, ehe er jenseits des Atlantiks zum Gouverneur der niederländischen Kolonie Nieuw Nederland ernannt wurde und später an selber Stelle New Amsterdam, das heutige New York, gründete. Er ist damit einer der bekanntesten Friesen, die die Provinz im hohen Norden des Landes hervorgebracht hat.